Österreich ist ja bekannt für die kritische Distanz, die seine Medien zu den Mächtigen pflegen. Dass sie es dabei manchmal aber auch übertreiben können, bewies in der vergangenen Woche der KURIER.

In einer Titelgeschichte namens "Österreichs Krisenmanager wider Willen" ging die Zeitung mit Finanzminister und ÖVP-Chef Josef Pröll in einer Art und Weise um, die sich wohl nicht einmal Fürst von Metternich gefallen lassen hätte. So heißt es da etwa über Prölls Eignung als Finanzminister in Zeiten der Krise:

Und wie Pröll das angeht - dabei drängt sich durchaus ein Bild aus dem Landleben auf: Er packt den Stier bei den Hörnern. Pröll ist keiner, der davonläuft.

Auch die - perfiderweise anonym gehaltenen - "Experten", die man über Josef Pröll lästern lässt, sind wohl kaum als neutral zu bezeichnen:

"(...) Pröll hat einen Namen, er ist über den Kreis der kleinen Länder hinausgewachsen", sagt ein renommierter deutscher Journalist.

Oder auch:

Was ankommt und was nicht, die EU-Bräuche und Tricks konnte Pröll schon als Landwirtschaftsminister studieren, weil der Agrarbereich der am stärksten vergemeinschaftete Sektor ist. Ein Brüssel-Kenner: "Pröll weiß, wann es Zeit ist, zornig zu werden."

Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Natürlich haben Medien in der Demokratie eine wichtige Funktion inne; sie sind eine wichtige Kontrollinstanz und müssen daher immer wieder den Finger auf die Wunde legen. Aber dieser ausfällige, beckmesserische und vollkommen unausgewogene Artikel hat mit Kritik ja wohl wirklich nichts mehr zu tun!!!

Josef Pröll im KURIER
"Der Zahlmeister. Wie Finanzminister Josef Pröll das Milliarden-Hilfspaket schnürte."

___
Zitate entstammen allesamt dem KURIER vom Mittwoch, dem 12. Mai 2010, S. 2-3.