- Klatsch und Tratsch - Lasst sie doch reden!
(sueddeutsche.de)
Ohne Tratsch - keine Zivilisation - NCBI ROFL: Which brand of ball point pen is best for an emergency airway puncture?
(blogs.discovermagazine.com)
Eine Studie klärt auf: Welcher Kugelschreiber eignet sich am besten für einen Luftröhrenschnitt? - Serotonin and reaction to unfairness
(mindblog.dericbownds.net)
Die dunkle Seite des "Glückshormons" Serotonin: Unfairness wird eher toleriert - Müllabladen verboten!
(forschung-erleben.uni-mannheim.de)
Verbotsschilder können das Gegenteil von dem bewirken, was sie bewirken sollen - Fotojournalismus: Wie Pressefotos die Wirklichkeit manipulieren
(zeit.de)
Ein Projekt des italienischen Fotografen räumt mit der naiven Vorstellung auf, dass Pressefotos neutral die Wirklichkeit abbilden würden
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Linkisches 2/12
@ 2012-03-23 – 00:10:43
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Quit-or-Die-Politik
@ 2012-03-21 – 22:46:31
Die Politik lässt gesundheitsbewusste Nikotinabhängige im Stich.
Ein Gedankenexperiment: Angenommen, es gäbe aus irgendeinem unerfindlichen Grund auf dieser Welt nur radioaktive Schokolade zu essen. Da alle medizinischen Untersuchungen einhellig belegen, dass Menschen, die Schokolade verzehren, an Krebs sterben, hat Schokolade naturgemäß ein schlechtes Image. Doch eines Tages gelingt es einem findigen Forscher, Schokolade herzustellen, die nicht radioaktiv ist. Millionen von Schokoessern könnten damit vor einem allzu vorzeitigen Tod bewahrt werden. Welch frohe Botschaft - sollte man meinen.
Doch dann geschieht etwas Seltsames: Man wisse über die Langzeitwirkung von nicht-radioaktiver Schokolade zu wenig bescheid, tönt es von Antischokolade-Organisationen, der Presse und der Politik, daher sollte diese nicht-radioaktive Schokolade auch nicht im freien Handel erhältlich sein. Möglich, dass auch nicht-radioaktive Schokolade die Gesundheit schädigt. Es sei sowieso am vernünftigsten, überhaupt keine Schokolade zu essen. Der Zucker! Die Kinder! Also weg damit.
Absurde Realität
Klingt absurd, ist aber leider real. Nur, dass es in diesem Fall nicht um nicht-radioaktive Schokolade geht, sondern um elektronische Zigaretten. Auch hier weiß man nicht über ihre Langzeitwirkung bescheid - wie denn auch? -, sondern bloß, dass sie nach allem menschlichen Ermessen nur ein Bruchteil so schädlich sind wie herkömmliche Tabakwaren. Jeder Gesundheitspolitiker sollte eigentlich ein Interesse daran haben, Raucher zum Umsteigen zu bewegen. Stattdessen werden Umsteiger mit billigen Scheinargumenten zusehends in die Illegalität getrieben - obwohl viele "Dampfer" (davon zeugen zahlreiche Posts in diversen Foren) sogar selbst sagen, dass ihnen kontrollierte und hochqualitative Liquids (die Flüssigkeit, in der sich das Nikotin befindet) höhere Preise durchaus wert wären.
Doch ihre berechtigten Sorgen werden nicht erhört, ihr Sinn für verantwortungsvolles Handeln nicht belohnt. Die Politik lässt sie im Stich - quit or die! Das ist nicht nur absurd, sondern nach heutigem Wissen geradezu verantwortungslos. Daher kann ich mich dem offenen Brief dieses hochsympathischen "Dampfers" nur anschließen:
Links:
"Cabinet office 'nudge unit' encourages use of product banned in many countries, in bid to reduce smoking-related deaths" (Guardian.co.uk)
"For a smoker, the health hazards of continuing to smoke greatly outweigh any potential risks of using nicotine replacement therapy" (scienceblog.cancerresearchuk.org)
"E-ciggies much safer than real ones: Study" (www.sify.com) -
Wie viel Storytelling verträgt die Wirklichkeit?
@ 2012-03-19 – 23:50:29

Selten hinterließ mich ein Buch so zwiegespalten wie "Storytelling für Journalisten" von Marie Lampert und Rolf Wespe. Einerseits ist meine Bewunderung für die hohe Kunst des journalistischen Geschichtenerzählens noch ein Stück weit gestiegen. Andererseits sind in mir die Zweifel an den positiven Folgen fein säuberlich konstruierter Mediendramaturgien nicht gerade gesunken.
Beginnen wir bei der Bewunderung - schließlich war sie ja auch der Grund, weshalb ich mir dieses Buch überhaupt zugelegt habe. Ich gebe offen zu: Ich habe mich ein wenig in den Schreibstil, wie er besonders im angelsächsischen Raum in seiner vollendetsten Form gepflegt wird, ein kleinwenig verliebt. Wie es etwa Malcolm Gladwell - dem derzeit vielleicht besten Storyteller überhaupt - gelingt, mit einer derartigen Sogwirkung über an sich langweilige Themen wie Bürostühle, Cola, die Sesamstraße oder Reisfelder zu schreiben, ist mir ein fantastisches Rätsel, das nahezu an Magie zu grenzen scheint.
Glücklicherweise hält "Storytelling für Journalisten" das, was es verspricht, gewährt einen umfassenden Einblick in die Zauberkästen der professionellen Storyteller und glänzt mit einer Menge praktischer Tipps: Steige mit einem Höhepunkt in die Geschichte ein, halte dich an das Konzept der Heldenreise, erst das Konkrete und dann das Abstrakte, vermeide die Adam-und-Eva-Falle usw. Wer sich für Storytelling interessiert, wird den Kauf von "Storytelling für Journalisten" also nicht bereuen.
Ich kann jedoch auch nicht verleugnen, dass mich beim Lesen stellenweise ein Unbehagen überkam, etwa wenn Marie Lampert und Rolf Wespe im Subkapitel "Inseln der Verständlichkeit im Meer der Abstraktion" schreiben:
In einer Medizinsendung des Schweizer Fernsehens sank die Quote, wenn die Mediziner lange sprachen. Der Moderator sorgte für eine ausgeglichene Quote, indem er jeweils sobald wie möglich dem Patienten das Wort erteilte.
Marie Lampert, Rolf Wespe (2011): Storytelling für Journalisten. Konstanz: UVK. S. 27
Klar ist es vorteilhaft, wenn Rezipientinnen und Rezipienten die Inhalte auch nachvollziehen können. Das Verpacken von komplexen Zusammenhängen in einfache Geschichten hat nicht nur den Vorteil, dass man sich den Inhalt besser merkt, sondern kann auch pädagogisch sinnvoll sein, wie die Autorin Annie Murphy Paul erst kürzlich in der New York Times zusammenfasste:
Reading great literature, it has long been averred, enlarges and improves us as human beings. Brain science shows this claim is truer than we imagined.
Annie Murphy Paul: Your Brain on Fiction. www.nytimes.com, 17. März 2012
Allerdings: Wie viel kindertaugliches Storytelling à la Pixar verträgt die Wirklichkeit? Diese Frage richtet sich keineswegs nur an den Boulevard, wie er etwa von Galileo repräsentiert wird, einer "Wissenschaftssendung", die sich mit dem Abfilmen 20-jähriger Studentinnen beim Reifenwechsel begnügt. Sie richtet sich auch an eine vermeintliche Politikberichterstattung, die frei von jeder Sachpolitik ist.
Das heißt nicht, dass ich die Übersetzung des Abstrakten ins Konkrete ablehne. Im Gegenteil. Allerdings ist sie das Mittel zum Zweck und nicht der Zweck selbst. Für weise Entscheidungen, die Bürger in einer Demokratie treffen sollten, kann man die Vogelperspektive nicht einfach außen vor lassen. Doch auch bei gutem Storytelling scheitern meiner ganz subjektiven Beobachtung nach die Rezipienten nicht selten an der Rückübersetzung ins Abstrakte.
Nehmen wir an, ein Fußballverein steckt einfach bloß aufgrund des Gesetzes der Serie eine Reihe von Niederlagen ein. Nach der vierten Niederlage in Folge kommt ein Sportreporter vorbei, um sich ein Bild von der Sache zu machen. Er bemerkt, dass der Trainer deprimiert wirkt und nimmt daher praktischerweise an, der Pessimismus des Trainers sei Ursache und nicht Folge der Niederlagen. Abschließend schreibt der Reporter eine wunderschöne Reportage über den depressiven Coach, der die Spieler mit seinem Pessimismus ansteckt. Er emotionalisiert, personalisiert, dramaturgisiert. Was wäre für einen Fan nach dem Lesen des Artikels näherliegender, als die Ablösung des Trainers zu fordern?
Dass Trainerwechsel nichts bringen, wissen die wütenden Fans nicht. Das sei "zu wenig greifbar" und hätte die Geschichte "nicht vorangetrieben", wie der Reporter sagt.
Links:
Your Brain on Fiction (nytimes.com)
Pixars 22 Regeln für gutes Storytelling (animationsfilme.ch)
Storytelling für Journalisten (amazon.de)Blogtipp:
A Brain Scientist's Take on Writing -
Linkisches
@ 2012-03-18 – 21:10:46
- Psychologie: Unterdrücktes Mitleid macht unmoralisch
(science.orf.at)
Wer sein Mitleid unterdrückt, wird moralisch "flexibler", so eine neue Studie - The Science Behind Why Airline Food Tastes Bad
(blogs.discovermagazine.com)
Aus der Rubik unnützes Partywissen - Kratzbürstige verdienen mehr
(wirtschaftspsychologie-aktuell.de)
Unverträglichkeit zahlt sich aus - zumindest finanziell - Fall Kampusch: Die Staatsanwaltschaft legt alles offen
(profil.at)
Lesenswerter Artikel über die bizarren Verschwörungstheorien im Fall Natascha Kampusch - The $8 billion iPod
(youtube.com) via
Sehenswerter TED-Talk über die absurden Zahlen, mit denen die Content-Industrie argumentiert - Beleidigung des Lesers
(dradio.de)
Verlage beschäftigen immer seltener Korrektoren. Die Folge: Kaum mehr Bücher ohne Druckfehler - Der Dschungelpilz, der Plastik frißt
(forschungs-blog.de)
Hoffnung für den Plastic Planet - Viel Schall um wenig Dampf
(derfreitag.de)
Lesenswerter Kommentar über die irrationale Schlechterstellung von E-Zigaretten
- Psychologie: Unterdrücktes Mitleid macht unmoralisch
-
Zwei Striche, die über Leben oder Tod entscheiden
@ 2012-03-16 – 19:20:20
Manchmal können zwei Striche über Leben oder Tod entscheiden. Das sollte man sich angesichtsichts eines Richterspruchs vor Augen halten, der diese Woche in Graz gefallen ist. Doch alles von Anfang an.
2010 hatte die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs im Rahmen eines Wahlkampfs mit einem Computerspiel viel Medienpräsenz eingeheimst. Bei dem "Anti-Minarettspiel" gilt es, "möglichst viele Minarette, Moscheen und Muezzine" zu stoppen, "die zeitlich aufeinanderfolgend am Bildschirm erscheinen" (Zitat Wikipedia). Kritiker - darunter Österreichs Bundespräsident - finden das geschmacklos, erinnert das "Anti-Minarettspiel" doch an viele ähnliche Spiele, bei denen geschossen wird. Bei der FPÖ verteidigte man sich, dass ja nicht geschossen sondern bloß "gestoppt" werde. Es gebe keine Schussgeräusche und auch kein Fadenkreuz. Diese Woche wurde diese Sicht vom Grazer Oberlandesgericht bestätigt. Doch zu Recht?
In der aktuellen Ausgabe von Gehirn&Geist (4/2012, hier nachzulesen) stieß ich über eine bemerkenswerte Studie. Wissenschaftler der Universität Bamberg und der Universität Delft konfrontierten 170 Probanden mit einem fiktiven Szenario. Demnach gebe es in der Umgebung von Utrecht zu viele Füchse, die für die Bevölkerung eine Plage seien. Dabei bekamen die Versuchspersonen auch eine Karte gezeigt, auf der eingezeichnet ist, welche Regionen von der Fuchsplage betroffen seien - mit einem kleinen Unterschied: Während die eine Hälfte der Probanden eine Karte zu sehen bekam, auf der die fiktive Fuchsplage mit simplen Kreisen eingezeichnet war, bekam die andere Hälfte das gleiche Bild mit Fadenkreuzen präsentiert. Danach wurden die Probanden gefragt, wie man ihrer Meinung nach mit der Plage umgehen solle: Die Füchse zum Abschuss freigeben oder einfangen und woanders aussetzen? Tatsächlich favorisierte die Kreis-Gruppe eher die gewaltfreie Lösung als die Fadenkreuz-Gruppe.
Vordergründig scheint die Untersuchung der FPÖ Recht zu geben - zumindest was die Nichtverwendung eines Fadenkreuzes betrifft. Vor allem zeigt die Studie jedoch, wie schmal der Grat dabei ist. Wer symbolisch mit dem Feuer spielt, kann damit auch echtes Feuer legen. Bereits zwei kleine Striche können zwischen Leben oder Tod entscheiden.
Links:
"Angemerkt! Im Fadenkreuz" (gehirn-und-geist.de)
"Moschee baba" (Wikipedia)
