Manchmal können zwei Striche über Leben oder Tod entscheiden. Das sollte man sich angesichtsichts eines Richterspruchs vor Augen halten, der diese Woche in Graz gefallen ist. Doch alles von Anfang an.

2010 hatte die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs im Rahmen eines Wahlkampfs mit einem Computerspiel viel Medienpräsenz eingeheimst. Bei dem "Anti-Minarettspiel" gilt es, "möglichst viele Minarette, Moscheen und Muezzine" zu stoppen, "die zeitlich aufeinanderfolgend am Bildschirm erscheinen" (Zitat Wikipedia). Kritiker - darunter Österreichs Bundespräsident - finden das geschmacklos, erinnert das "Anti-Minarettspiel" doch an viele ähnliche Spiele, bei denen geschossen wird. Bei der FPÖ verteidigte man sich, dass ja nicht geschossen sondern bloß "gestoppt" werde. Es gebe keine Schussgeräusche und auch kein Fadenkreuz. Diese Woche wurde diese Sicht vom Grazer Oberlandesgericht bestätigt. Doch zu Recht?

In der aktuellen Ausgabe von Gehirn&Geist (4/2012, hier nachzulesen) stieß ich über eine bemerkenswerte Studie. Wissenschaftler der Universität Bamberg und der Universität Delft konfrontierten 170 Probanden mit einem fiktiven Szenario. Demnach gebe es in der Umgebung von Utrecht zu viele Füchse, die für die Bevölkerung eine Plage seien. Dabei bekamen die Versuchspersonen auch eine Karte gezeigt, auf der eingezeichnet ist, welche Regionen von der Fuchsplage betroffen seien - mit einem kleinen Unterschied: Während die eine Hälfte der Probanden eine Karte zu sehen bekam, auf der die fiktive Fuchsplage mit simplen Kreisen eingezeichnet war, bekam die andere Hälfte das gleiche Bild mit Fadenkreuzen präsentiert. Danach wurden die Probanden gefragt, wie man ihrer Meinung nach mit der Plage umgehen solle: Die Füchse zum Abschuss freigeben oder einfangen und woanders aussetzen? Tatsächlich favorisierte die Kreis-Gruppe eher die gewaltfreie Lösung als die Fadenkreuz-Gruppe.

Vordergründig scheint die Untersuchung der FPÖ Recht zu geben - zumindest was die Nichtverwendung eines Fadenkreuzes betrifft. Vor allem zeigt die Studie jedoch, wie schmal der Grat dabei ist. Wer symbolisch mit dem Feuer spielt, kann damit auch echtes Feuer legen. Bereits zwei kleine Striche können zwischen Leben oder Tod entscheiden.

Links:
"Angemerkt! Im Fadenkreuz" (gehirn-und-geist.de)
"Moschee baba" (Wikipedia)